Kvara Bistroj: Der Ausländer
Heute: Der Iraker
Der gemeine Iraker zerfällt in zwei Stämme, die Suniten und die Schiiten, in zwei Flüsse, Euphrat und Tigris, und in zwei Öltanks. Während die restliche Welt noch einen auf Bronze- und Eisenzeit machte und keine Ahnung hatte, was man mit diesem Öl so alles anfangen könnte, da pappte der vormalige Iraker schon fleißig seine Tonziegel mit Bitumen zum Turm von Babylon. Das WTC des Orients. Den gibt es nicht mehr. Der ist kaputt, wie so vieles im Irak. Und nicht alles hat der Iraker selbst kaputt gemacht. Das berühmteste, nicht kaputte irakische Bauwerk steht auf der Berliner Museeumsinsel. Es heißt Ischtar-Tor und ist sehr schön. Aber vor lauter Pergamon-Altar gucken die meisten unserer doch eher blöden Touristen da garnicht hin. Wer das Geld hat kann sich seine Ignoranz eben leisten.
Allgemein schätzen wir heute das Erdöl als größte kulturelle Errungenschaft des Irakers, und weil der Iraker arm ist, muß er diese, seine zähflüssige und übelriechende Kultur verscherbeln. Gottlob läßt sich das eklige Öl durch diverse chemische und monetäre Prozesse problemlos in Geld verwandeln, und dieses Geld stinkt nicht. Die Geschäftsverhandlungen darüber werden von schlipstragenden Geschäftsleuten geführt. Falls diese Verhandlungen zu keinem Ergebnis führen übernimmt dann die Politik.
Die berühmtesten Iraker sind Hammurabi (Louvre), Nebukadnezar (»Nabucco«) und Saddam Husseins Informationsminister (CNN). Die berühmtesten Bücher im Irak sind der Koran und Harry Potter V.
Ja, ja so ist er der Iraker.
Im nächsten Salbader: Der Brasilianer